100 Jahre Bielingschulhaus

Das Bielingschulhaus im Jahr 1951

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert führte das explosionsartige Bevölkerungswachstum der Stadt Nürnberg zu einem Bauboom nicht nur von Wohnungen, sondern zwangsläufig auch von Amtsgebäuden und insbesondere Schulhäusern. Die bemerkenswertesten darunter dürften die vom städtischen Oberbaurat Georg Kuch entworfenen Schulgebäude der Bismarck- und der Uhlandschule sein und -  als letztes in der Reihe dieser Neubauten - das Schulhaus am Bielingplatz, das heute die PVS beherbergt.

Im November des Jahres 1914 – der Erste Weltkrieg wütete schon drei Monate lang – wurde das Bielingschulhaus seiner Bestimmung übergeben.

 

Entworfen und gebaut in einer Zeit, in welcher der Jugendstil die  „Moderne“ verkörperte, aber häufiger noch der am Ende des 19. Jahrhunderts so beliebte „Historismus“ vorherrschte, verkörpert das Bielingschulhaus eine Mischform aus beiden Stilrichtungen. Bis heute dominiert es den Bielingplatz, äußerlich zwar unverändert, aber kein anderes Schulgebäude in Nürnberg hat im Laufe seiner Geschichte so wechselvolle Nutzungen erlebt wie dieses.

 

Mit Architektur und Geschichte dieses bemerkenswerten Gebäudes befasste sich im vergangenen Schuljahr auch ein P-Seminar des Leitfaches Kunst unter der Leitung von Frau Krauß. Das Seminar spürte der Geschichte nach, erkundete das Haus in seinem heutigen Zustand und dokumentierte zahlreiche architektonische Details fotografisch. Die Bilder wurden bei einer Ausstellung im Kulturladen im April gezeigt; eine Auswahl davon illustriert die Schulchronik, die wir aus Anlass des 100jährigen Jubiläums hier darstellen:

 

9.11.1914

Einweihung des Bielingschulhauses für eine Volksschule mit  35 Klassen, Zeichensälen, Werkräumen und zwei Turnhallen (heutige Gymnastikhalle und heutige Aula). Einrichtungen, die eine Nutzung als Notkrankenhaus ermöglichen, sind schon mit eingebaut. Deshalb ist auch die Ausstattung für die damalige Zeit viel moderner als üblich mit Zentralheizung, elektrischem Licht und WC auf allen Stockwerken.

 

1916/18

Zwei Baracken werden im Schulhof errichtet, da wegen des Krieges andere Schulhäuser zweckentfremdet sind und Schüler verlagert werden müssen.

 

1935

Die Bielingschule erhält den Namen „Hans Schemm Schule“, benannt nach einem nationalsozialistischen Politiker, der vom Lehrer zum Gauleiter und bayerischen Kultusminister aufstieg, aber im März 1935 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

 

1940-45

Neben dem Schulbetrieb werden einige Räume als Lazarett genutzt, andere als Lagerräume für den Hausrat ausgebombter Bürger.

 

1945

Nach der Totalzerstörung des Nürnberger Rathauses wird das Bielingschulhaus Sitz der Stadtverwaltung. Im heutigen Sekretariat residiert der Oberbürgermeister, in der oberen Turnhalle, heute Aula, tagt der Stadtrat.

 

1947

In der unteren Turnhalle findet das Spruchkammerverfahren gegen den früheren Reichskanzler Franz von Papen statt. Papen war maßgeblich daran beteiligt, dass 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und war eine Zeit lang dessen Vizekanzler. Beim Nürnberger Hauptkriegsverbrechertribunal noch freigesprochen, wurde er jetzt zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, aber schon 1949 entlassen.

 

1952/53

Der Westflügel wird wieder für den Schulbetrieb hergerichtet. Die Volksschule sowie einige Klassen der Handelsschule ziehen ein sowie die ersten zwei Klassen der „Gewerberealschule der Stadt Nürnberg“ (spätere PVS).

 

1954

In der Hofbaracke wird eine Berufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe eingerichtet.

 

1955

Auch der Ostflügel ist nach einer gründlichen Renovierung wieder für den Schulbetrieb frei. Im Keller befindet sich eine Großküche für das benachbarte Krankenhaus.

 

1956 – 1967

Das Hauptgebäude beherbergt allein die Volksschule am Bielingplatz, („Bielingschule“). Die Gewerberealschule, 1965 erhält sie den Namen Peter-Vischer-Realschule, hat ihren Hauptsitz in dieser Zeit in der Sielstraße, muss aber auch mehrere Dependancen benutzen.

 

1967

Die PVS zieht erneut im Bielingschulhaus ein, belegt die oberen Etagen, während im EG und I. Stock weiterhin die Volksschule untergebracht ist.

 

1969

Der Peter-Vischer-Realschule wird ein Gymnasium angegliedert, deshalb heißt sie ab jetzt  Peter-Vischer-Schule (PVS). Die Raumnot macht häufig Schichtunterricht notwendig.

 

1974/75

Bau des Turnhallengebäudes im Hof.

 

1976

Ein Teil der Volksschule zieht aus, die PVS kann sich vergrößern.

 

1977

Anlage des Kleinsportfeldes im Hof.

 

1980

Auszug der letzten Grundschulklassen. Die PVS hat das Gebäude erstmals alleine für sich.

Beginn eines Probebetriebs für ein „Soziokulturelles Zentrum“ (Soku), der Keimzelle des heutigen Vischers Kulturladen, in der Hofbaracke.

 

1983

Das Soku, jetzt Peter-Vischer-Zentrum (PVZ) genannt,  kommt an seinen heutigen Platz, in die ehemalige Heizerwohnung im Westflügel.

 

 

 

1984 – 86

Generalrenovierung des Mittelbaus und des Ostflügels mit den Räumen für Naturwissenschaften und dem Direktorat mit Sekretariat. Die Aula erhält die noch heute vorhandene Einrichtung mit ansteigenden Zuschauerrängen.

 

1991

Renovierung der Hofbaracke, die dann „Hofpavillon“ genannt werden sollte, was sich aber kaum durchsetzte.

 

1998/99

Generalrenovierung des Westflügels und Neueindeckung des Daches

 

2000/01

Umgestaltung des Schulhofes

 

2007

Herrichtung des Schulgartens in der Anlage vor dem Schulgebäude;

Umbau der Bühneneinrichtung in der Aula mit Erneuerung der Licht- und Tontechnik

 

2008/09

Bau des Mensagebäudes

 

 

Dieter Schaefer