Geschichtlicher Rückblick auf 50 Schulkonzerte

Zum 50. Schulkonzert schrieb Herr Welk, stellvertr. Leiter der Peter-Vischer-Schule bis 1992, einen geschichtlichen Rückblick. Er wurde im Jahresbericht der Peter-Vischer-Schule für das Schuljahr 1985/86 veröffentlicht.

Das 50. Schulkonzert mag Anlaß sein, einmal einen Blick zurückzuwerfen auf die, wie wir meinen, erfolgreiche, wenn auch nicht immer problemlose Geschichte dieser wichtigen pädagogischen Einrichtung.
Am 1. Dezember 1959 fand im Buchersaal, dem damaligen Domizil des Fränkischen Landesorchesters (der heutigen Nürnberger Symphoniker) das erste Schulkonzert für Studierende der Berufsoberschule und die Schüler der Abschlußklassen der Gewerbemittelschule, der Vorgängerin der Peter-Vischer-Schule, statt. Die Anregung zur Durchführung eines Symphoniekonzertes für diesen Hörerkreis war mir gekommen, als ich anläß1ich eines gemeinsamen Konzertbesuches mit einer Gruppe von Schülern eines Abendkurses feststellte, daß bei den meisten der bis dahin der symphonischen Musik gegenüber Abstinenten der Knoten offensichtlich geplatzt war. In Herrn Lang (wir waren damals bereits Mitglieder unseres Lehrerkollegiums) fand ich einen begeisterten Mitstreiter für meine Idee; der Leiter der Berufsoberschule, Oberstudiendirektor Dr. Rudolf Ott, gab uns die nötige Unterstützung.
Durch geeignete Programmauswahl galt es, unseren Schülern ein Konzerterlebnis zu vermitteln, das ihre Scheu schon allein vor dem Wort "Symphoniekonzert" zu vertreiben vermochte. Carl Maria von Webers Freischütz-Ouvertüre, das Violinkonzert von Max Bruch und Beethovens 7. Symphonie fanden in den beiden Aufführungen bei den rund 1300 Besuchern großen Anklang. Zum Gelingen der Veranstaltung trugen nicht unwesentlich die kurzen verbalen Einführungen bei, die Herr Lang jedem Werk voranstellte und die dem Ziel dienten, Verständnis für diese Art Musik zu wecken. Der überraschend große Erfolg belohnte unseren Wagemut und überzeugte auch die Skeptiker, deren es vorher genügend gegeben hatte.
Wir blieben dem Grundprinzip dieses ersten Konzertes - bekannte, eingängige Werke und verbale Einführung - über all die Jahre hinweg treu, auch wenn wir, gerade wegen mancher angeblich zu populärer Programme, immer wieder angegriffen wurden. (Siehe "Grundsätze für die Gestaltung der Schulkonzerte an der PeterVischer-Schule").
Der Erfolg dieses ersten Konzertes hatte jedoch noch ein weiteres erfreuliches Ergebnis: Andere Schulen wurden aufmerksam und schlossen sich in den folgenden Jahren unserer Konzertreihe an, so die Sigena-Schule, in deren Eingangshalle ab 1960 die Konzerte stattfanden. Wir selbst dehnten den Besucherkreis auf alle Jahrgangsstufen unserer Schule aus und machten den Besuch der nunmehr zwei Konzerte im Jahr mit Zustimmung der Eltern zur Pflicht. Dabei ließen wir uns von dem Gedanken leiten, unsere Schüler mit einem Bildungsgut vertraut zu machen, dem sie - zumeist aus Unkenntnis - ablehnend gegenüberstanden. War dieser "Zwang" zunächst bei einigen auf Widerstand gestoßen, so gab uns auch hier der Erfolg auf die Dauer Recht: Viele ehemalige Schüler blicken heute noch dankbar auf Konzerterlebnisse zurück, die ihnen sonst verwehrt geblieben wären.
Mit der Eröffnung der Meistersingerhalle im Herbst 1963 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte unserer Schulkonzerte: Wegen des größeren Platzangebotes konnten wir die Eltern zur Teilnahme an unserem ersten Konzert in diesem schönen neuen Gebäude einladen. Die Resonanz war überaus groß, und schon beim zweiten Mal war der große Saal mit seinen über 2000 Plätzen vollständig gefüllt. Dieses Konzert im Frühjahr 1964 war aber auch zugleich einer der künstlerischen Höhepunkte in der Reihe unserer Schulkonzerte. Die weltberühmte Pianistin Elly Ney spielte Werke von Beethoven und gab selbst Erläuterungen dazu. Keiner, der diesen Abend erlebte, wird je dieses Ereignis vergessen!
Im Jahr 1966 führte das Schul- und Kulturreferat, das unsere Schulkonzerte seit einiger Zeit finanziell unterstützt hatte, selbst Jugendkonzerte für alle weiterführenden Schulen der Stadt Nürnberg ein. Unsere schuleigenen Konzerte wurden von nun an in diese Konzerte integriert. Damit wurde jedoch die Einflußnahme auf die Programmgestaltung vermindert.
Bis in die frühen siebziger Jahre hinein konnte ein wachsendes Interesse auch an einigen anderen Schulen beobachtet werden. Manche Konzerte, so das im Herbst 1971 mit dem Klavierkonzert von Tschaikowsky und Dvoraks "Neuer Welt" unter der Leitung unseres damaligen Musiklehrers Alois Betz oder die Aufführung von Carl Orffs "Carmina burana" unter Prof. Josef Zilch, wurden an jeweils drei Abenden von über 6000 Zuhörern besucht. Dann jedoch zeigte ein kontinuierlicher Besucherrückgang das schwindende Interesse an dieser einst so beliebten Einrichtung. Nur das jeweils unserer Schule vorbehaltene Konzert brachte - trotz der zwischenzeitlich eingeführten Freiwilligkeit - einen guten Besuch. Wir glauben, gerade hierin einen Erfolg unserer jahrelangen Erziehungsarbeit, aber auch der gewachsenen Tradition zu sehen.
Als das Schul- und Kulturreferat die Symphonie-Konzerte aus der Reihe der Jugendkonzerte strich, führten wir unsere Schulkonzerte - mit finanzieller Unterstützung des Referats - wieder in eigener Regie nach unserem ursprünglichen Konzept durch. Die Kartennachfrage ist - bedingt wohl auch durch das populäre Programm - so groß, daß seitdem die meisten der Konzerte weitgehend ausverkauft sind; vereinzelt mußten sogar Besucher auf der Bühne hinter dem Orchester Platz nehmen.
Der große Erfolg im Jahr 1971 hat uns veranlaßt, Carl Orffs "Carmina burana", dieses berühmte und populäre Werk der klassischen Moderne, als Hauptwerk unseres Festkonzertes aufzunehmen.
Dieser sicher sehr persönlich gesehene Rückblick wird verständlich machen, warum uns die Schulkonzerte so sehr ans Herz gewachsen sind. Wir sind von Anfang an der Meinung gewesen, daß es eine hervorragende Aufgabe einer Schule ist, junge Menschen an ein so wichtiges Bildungsgut heranzuführen, wie es die Musik des Konzertsaals ist. Mit der Form unserer Schulkonzerte haben wir eine gute Möglichkeit gefunden, dieses Ziel in hohem Maße zu erreichen.
Hans Welk