100 Schulkonzerte der PVS mit den Nürnberger Symphonikern

Im Jahr 1959 besuchten Schüler der erst sieben Jahre alten Gewerbemittelschule – der späteren Peter-Vischer-Schule – mit ihrem Lehrer Hans Welk ein Symphoniekonzert. Die Zustimmung unter den Schülern ließ in ihrem Lehrer – der schnell einen begeisterten Mitstreiter in seinem Kollegen Karl Lang fand – die Idee reifen, Schüler durch eigene Symphoniekonzerte an diese Form von Musik heranzuführen. Der Schulleiter der Berufsoberschule leistete die nötige Unterstützung und so besuchten Schüler der Abschlussklassen der Gewerbemittelschule zusammen mit „Studierenden“ der Berufsoberschule am 1. Dezember 1959 das erste Schulkonzert, das die Mitglieder des „Fränkischen Landesorchesters“ – die heutigen Nürnberger Symphoniker – im Buchersaal für die Schulen gaben. Auf dem Programm standen neben der bekannten Freischütz-Ouvertüre von C.M. von Weber und der 7. Symphonie von L. van Beethoven das anspruchsvolle Violinkonzert von Max Bruch, der Solist Oliver Colbentson gastierte 15 Jahre später noch einmal mit dem Violinkonzert von Paganini beim 29. Schulkonzert und war ein begeistert empfangener Zeitzeuge, als nach 50 Jahren das Programm des Premierenkonzerts wieder von den Symphonikern in der ausverkauften Meistersingerhalle gespielt wurde.
Aber auch das erste Konzert hatte bereits einen so großen Zuspruch, dass es wiederholt werden musste – die damals rund 1300 Besucher – mit Gästen aus der Berufsoberschule fanden in den Buchersälen nicht auf einmal Platz. So waren die Initiatoren froh, im folgenden Jahr in das neugebaute Atrium des Sigena-Gymnasiums ausweichen zu können – dessen Schüler damit ebenfalls an dem Musikgenuss teilhaben konnten. Bereits drei Jahre später konnten die gefragten Abende in die Meistersingerhalle verlegt werden, die bereits beim zweiten Konzert ausverkauft war – zugleich fanden seit 1963 zwei Abende im Jahr die Symphoniker mit den PVS-Konzerten einen festen Rhythmus im Schulkalender.
Das erfolgreiche Grundprinzip der Programmgestalter war, das Verständnis der Schüler in die für junge Menschen ungewohnte Musik durch eine sorgsame Auswahl der Werke sowie eine kurze Einführung in jede Komposition zu wecken. Der Deutsch- und Englischlehrer Karl Lang – Mitbegründer und späterer Schulleiter – übernahm diese Aufgabe für die ersten sieben Konzerte und gab sie dann in die Hände des Musiklehrers Alois Betz. Dieser führte sein Publikum von 1964 bis 1976 – unterbrochen  nur dreimal durch Gerd Fischer, einmal durch den Dirigent Wolfram Röhrig und zweimal durch Wolfgang Troyke – neunzehnmal durch die Konzerte, die mittlerweile auch als Vorbild für die Nürnberger Jugendkonzerte dienten und zeitweise an zwei weiteren Abenden wiederholt wurden.
Karl Lang konnte bei seinem siebten Konzert mit der Pianistin Elly Ney  einen besonderen Gast begrüßen, die nicht nur mit ihrem virtuosen Spiel das Publikum begeisterte, sondern auch noch selbst die Beethovenschen Kompositionen vorstellte.
Immer wieder gastierten große Musiker bei den Schulkonzerten, darunter waren sowohl Gesangsolisten wie nahezu alle Instrumente des Orchesters mit Werner Fink, Trompete, Willi Horvath, Violine  oder den Nürnberger Organisten Rudolf Zartner, Hans-Jürgen Richter und Rolf Gröschel. Aber auch die Klavierlehrerin der Schule Ritva Rissanen-Jantsch oder – zusammen mit Uwe Kleindienst – der PVS-Schüler Moritz Görg als Trompeter gaben sich die Ehre auf der Bühne der Meistersingerhalle.
Nach einem Intermezzo durch den Leiter der Schule, OStD Karl Lang von 1977 bis 1979, übernahm Claus Pilhofer, ebenfalls Musiklehrer an der Peter-Vischer-Schule, im Jahr 1980 die Aufgabe der Moderation und führte, mit vier Unterbrechungen durch die Dirigenten Franz Alter, Klauspeter Seibel und Georg Schmöhe sowie 1985 beim 49. Konzert durch Karl Lang, abwechslungsreich und einfühlsam durch dreißig Symphoniekonzerte, das letzte sogar noch nach seinem Wechsel vom Lehrerpult auf den Bürgermeistersessel in Bubenreuth.
Das Konzept war immer noch bewährt: Ein Symphoniekonzert – in der Regel mit drei Werken - wurde gespielt mit einer Einführung in das Werk und den Komponisten, bereichert durch das Anspielen einzelner Passagen und Vorstellung des Solisten und seines Instrumentes.  Immer dabei der Versuch, das Publikum vom Beifall zwischen den Sätzen abzuhalten.
Allerdings gab es auch hier Abweichungen von diesem Prinzip, indem der Abend einem einzigen Werk gewidmet war: Dreimal wurde „Carmina Burana“ von Carl Orff aufgeführt – da letzte Mal 2007 mit dem Unterstufenchor der Schule, dem eine sehr disziplinierte und niveauvolle Leistung von den Musikern bescheinigt wurde -, einmal stand die „Schöpfung“  von Georg Friedrich Händel im Mittelpunkt des Abends. Und es kamen auch Werke mit Gesangssolisten oder mit einem Erzähler zur Aufführung, als Beispiele seien das „Te deum“ von Anton Bruckner oder „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew genannt.
1997 übernahm Irmgard Cantzler als Nachfolgerin von Claus Pilhofer nicht nur sein Lehrerpult, sondern auch die Führung durch die Konzertabende, die sie sich nur dreimal durch den Dirigenten Jac von Stehen nehmen ließ. Überhaupt gaben sich bis dahin eine stattliche Anzahl angesehener Dirigenten die Ehre, den Taktstock für die Peter-Vischer-Schule zu schwingen. So findet man in den Annalen die Namen von Erick Kloss, Waldemar Klink, Othmar M. F. Maga, Günter Neidlinger und nahezu alle Chefdirigenten der Nürnberger Symphoniker. Vielleicht lag es an dieser geschickten Auswahl, dass den PVS-Schulkonzerten nicht das Schicksal der Jugendkonzerte beschieden war, bei denen die Symphoniekonzerte wegen mangelnden Interesses eingestellt wurden. Aber auch an der Peter-Vischer-Schule waren die Zuhörerzahlen rückläufig. Längst war die Meistersingerhalle nicht mehr nur mit den Schülern und ihren Eltern gefüllt, es gab eine große Schar von Ehemaligen und Freunden der Schule, die die Schulkonzerte buchten. Aber eine Verpflichtung, in die Konzerte gehen zu müssen – wie in den Anfangsjahren -, gab es nicht. So hat sich seitdem unter der geschickten und einfühlsamen Regie von Frau Cantzler einiges gewandelt, um die Konzerte für das Publikum attraktiver werden zu lassen.
Es werden verstärkt junge Solisten und Dirigenten aus dem Dirigentenforum vorgestellt, um ihnen eine Bühne zu bieten und den Schülern Künstler vorzustellen, die ihnen altersmäßig näher sind. Zugleich wurde behutsam und erfolgreich die Programmstruktur von der Darbietung ganzer Kompositionen zu Themenabenden mit abwechslungsreichen kurzen Werken oder Einzelsätzen geändert. So stand ein Abend unter dem Motto „Pariser Leben“ mit Musik französischer Komponisten, an einem anderen Abend wurden die Werke vorgestellt, aus den die verschiedensten Handy-Töne entnommen sind.
Zugleich bekamen Schüler die Gelegenheit, ihr musikalisches Können zu zeigen, sei es durch kleine Auftritte als Solisten oder in kleinen Gruppen, als besondere Auszeichnung auch, indem sie mit dem Orchester mitspielen durften. Andere trugen zu den Werken gehörige Gedichte oder Prosatexte vor oder führten mit kleinen Theaterstücken in ein Werk ein. So entstand eine gelungene Mischung, die den Abend abwechslungsreich gestaltete und damit wieder zum ursprünglichen Ziel der Schulkonzerte zurückführte:
Jungen Menschen die Welt der konzertanten Musik nahezubringen.

Thomas Karl