25 Jahre Lehrerkabarett „Die Gerontocrats“

1990: Die PVS hatte drei Jahre vorher eine neue Schulleitung bekommen und befand sich in einer Aufbruchstimmung. Aber, obwohl frischer Wind durch das alte Gemäuer wehte – das Lehrerkollegium war damals schon nicht mehr taufrisch, denn lange Jahre ohne Neueinstellungen von jungen Lehrern drückten den Altersdurchschnitt immer weiter in die Höhe. So war es nur folgerichtig, dass diese Tatsache dem damals gegründeten Lehrerkabarett zu seinem Namen verhalf: Die Gerontocrats.

Auch das erste Programm, das der Initiator der Truppe, Johannes Dorrer, auf die Bühne brachte, war darauf bezogen, denn es trug den Titel „When I´m 64“.

Heute, 25 Jahre später, ist zwar das Lehrerkollegium erheblich verjüngt, aber die damaligen Aktiven sind inzwischen tatsächlich 64 Jahre alt geworden oder sogar längst im Ruhestand. Trotzdem feierte das Lehrerkabarett der PVS in jugendlicher Frische am 28. April sein Jubiläum mit einer Sondervorstellung im kleinen, aber feinen Nürnberger Burgtheater, zu der  sich viele ehemalige Ensemblemitglieder und Freunde der Gerontocrats einfanden. 

Aus der Anfangszeit waren auf der Bühne immerhin noch vier Kabarettisten vertreten, außer Herrn Dorrer sein langjähriger Bühnenpartner, Herr Uebel, die erste Frau im Ensemble, Frau Breitfeld-Grosser und der bewährte Musikus, Herr Zimmermann. Außerdem spielten die – nun auch schon eine zeit lang dazugehörigen -  Darstellerinnen, Frau Huschke und Frau Götz.

Dementsprechend fiel das Programm zum Teil recht nostalgisch aus: So brillierte Karl-Heinz Uebel nochmals mit einigen Songs aus früheren Programmen wie „Mit 66 Jahren…“ oder „Wo sind all die Schüler hin...“ und er schwelgte mit Johannes Dorrer in Erinnerungen an den großen Auftritt der Gerontos im Jahr 2000 auf dem Schulkongress „Innovation 2000“ in Augsburg, wo sich sogar die damalige Kultusministerin unter den Zuschauern befand.

Aber auch aktuelle Themen kamen im Jubiläumsprogramm nicht zu kurz: Die Handymanie der Kinder und vieler heutiger Eltern wurden aufs Korn genommen. Als „running Gag“ trafen sich zwei Schüler (Johannes Dorrer und Karl-Heinz Uebel), die über altmodische Lehrer schimpfen sowie zwei Helikoptermütter, die ihre Kinder mit dem SUV bis vors Schultor fahren müssen und natürlich ständig per Handy die Kontrolle über ihre Kinder haben wollen. (Erika Huschke und Virginia Götz). Sehr schön überspitzt wurde auch der Gegensatz zwischen der „Video- und Telefonzellengeneration“ unter den Lehrkräften und der jungen „Tabletgeneration“ thematisiert. Schließlich gewährte noch Angelika Breitfeld-Grosser einen Einblick in die Qualen einer frisch pensionierten Lehrerin, die natürlich in jedem Volkshochschulkurs dadurch auffällt, dass sie alles besser weiß.

Musikalisch souverän begleitet wurde das Ensemble vom – ebenfalls schon nicht mehr aktiven – Musiklehrer Gerhard Zimmermann. Mit dem – fast schon zur Hymne gewordenen – Song „Wir sind die PVS“ (nach R. Fendrich: Schickeria) als Zugabe endete dieser vergnügliche Abend.

Hoffen wir, dass sich bald jüngere Kollegen finden, die diese schöne Kabaretttradition an der PVS weiterführen.

Dieter Schaefer

Valentin Polyglott

Das Peter-Vischer-Brettl unter Leitung von Herrn Dorrer präsentiert:
Karl Valentin
"Polygam?  Polyester? Polyglott!"

Aufführungen am 5. März (rot) und 6. März (blau) 2013
jeweils 19.00Uhr
in der Aula der Peter-Vischer-Schule
Schüler 3.00 Euro                  Erwachsene 5.00 Euro

Rechts sehen Sie Bilder von der Premiere am 5. März 2013!

Programmfolge:

- Die alten Rittersleut'

- Wahre Freundschaft

- Streit mit schönen Worten

- Die Heiratsannonce

- Der Vogelhändler - Le Marchand d'oiseaux (Französisch)

- Familiensorgen

- Chinesisches Couplet

- Die Fremden

- Wo ist meine Brille - Where are my Glasses (Englisch)

- Vergesslich

- In der Apotheke - In Officina Medica (Lateinisch) - Eczanede (Türkisch)

 

 

 

Völlig falsch gePOLT - Theaterabend an der Peter-Vischer-Schule

Viele große Denker der Geistesgeschichte haben sich um Erklärungen für das Lustige bemüht:

Schopenhauer hielt das Lachen für die Reaktion auf eine plötzlich wahrgenommene Inkongruenz, Kant führte es auf eine enttäuschte Erwartung zurück, Freud auf den Wegfall einer Nervenspannung, Hobbes sah darin den Ausdruck eines Überlegenheitsgefühls und der ernste Platon das Ergebnis mangelhafter Selbsterkenntnis.

Gerhard Polt ist ein Großmeister des anarchisch-hinterhältigen Witzes. Humor ist bei ihm nicht nur Ulk sondern formuliert über sich hinaus, typisiert und ist eine Form der Analyse sozialer Verhältnisse - eine sehr natürliche, direkte Arte etwas zu durchschauen und zu begreifen.

Für die Theatergruppe der PVS hat diese Form des pointierten kabarettistischen Blickwinkels auf Menschlich-allzumenschliches durchaus Tradition - widmete sich man in vorangegangenen Aufführungen ja schon eingehend einer anderen Koryphäe surrealen  Humors aus bairischem Blickwinkel: Karl Valentin.

Dieses Schuljahr stand also eine Auswahl an Sketchen Gerhard Polts auf dem Programm - der übrigens ganz unkompliziert die Aufführungsrechte gewährte. Wie auch schon bei den Valentin-Abenden stellten die PVS Horns - die vorzügliche Saxophongruppe um Traugott Jäschke-Miserre mit eigens einstudierten Zwiefachen und alpenländischen Weisen die musikalische Umrahmung - übrigens stilecht in Dirndl und Lederhose. Auch in der Pause blieb es bairisch und zünftig: das P-Seminar Englisch bewirtete die zahlreichen Gäste mit Bier und Brezeln.

Johannes Dorrers Schauspieler haben sich über die Jahre sehr gut entwickelt und erwiesen sich den bissigen Satiren des Kabarettisten durchaus gewachsen. Da wird eine Versicherungsvertreterin gecoacht („Vertretertraining“) und während des - für sich schon absurden - Trainings im korrekten Händeschütteln an der Haustür gewinnt die Lust, auf dem Rücken einer jungen Kollegin Machtgelüste auszuspielen, die Oberhand und die Unterweisung läuft ins Leere. Sehr schön ist es zu sehen, wie sich die jungen Schauspieler über die Jahre entwickelt und an Sicherheit, Ausstrahlung und Bühnenpräsenz gewonnen haben. Büroangestellte während der Mittagspause („Mahlzeit“), unwillige, träge Beamte in einer Behörde („Der zuständige Mann“) oder der Disco-Türsteher („Der Stammgast“): immer erweist sich Polt als genauer Beobachter menschlicher Skurillitäten. „Mai Ling“, „Herr Tschabobo“ oder „Der neue Mieter“ schlagen satirische Töne an: Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile und Sextourismus werden schonungslos auf den Punkt gebracht. Dass selbst diese bissigen Texte gelingen, liegt am darstellerischen Talent der „alten Hasen“: Fenja Engelhart und Mario Lopatta glänzten als verkrampft-überehrgeiziges Ehepaar in der „Kinderdressur“; Mario Lopatta gab souverän den deutschen Patriarchen, der sich seine aus dem Katalog bestellte thailändische Ehefrau als pflegeleichtes Heimchen am Herd hält; Johannes Chijuka spielte den aus Afrika stammenden Cambridge Professor, der auf einer Gartenparty gutmütig in die Rolle des trommelnden Buschnegers schlüpft, wenn es das deutsche Vorurteil eben so haben will.

Johannes Dorrer zeigte sich am Ende der Vorstellung sichtlich zufrieden mit seiner Truppe und verabschiedete sich mit einem Hauch Wehmut: durch die beiden Abiturjahrgänge scheiden 2011 auf einen Schlag zwölf (!) bewährte Mitglieder des PVS-Schultheaters aus. Da muss sich der Nachwuchs im kommenden Jahr eben ranhalten!