Refugees welcome?! - Wie können wir helfen?

Unter dem Titel „Refugees welcome?!“ informierte Frau Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung ISFBB die Schüler*innen der 11. Jahrgangsstufe über Hintergründe von Migration und Flucht.

Migration, so Frau Mair, ist eine Normalität in der Menschheitsgeschichte. Sie erinnerte beispielsweise an die Auswanderung Deutscher im 18. Jahrhundert nach Russland, an die Auswanderung von Millionen Europäern und auch Deutschen in die „Neue Welt“ und daran, dass nach dem 2. Weltkrieg nicht nur 12 Millionen Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten  in das heutige Deutschland kamen, sondern dass auch 12 Millionen verschleppte „displaced persons“ hier lebten.

Asylbewerber spielten in den ersten Jahrzehnten der bundesdeutschen Geschichte nur eine geringe Rolle, dafür kamen ab Ende der 50er-Jahre „Gastarbeiter“ und dann auch deren Familien, Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre zudem eine große Zahl von deutschstämmigen „Spätaussiedlern“ aus Ost- und Südosteuropa.
Hunderttausende Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien suchten in den 90er-Jahren Schutz in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Diese erste „Welle“ von Flüchtlingen und Asylbewerbern ebbte Mitte der 90er-Jahre wieder ab, auch deshalb, weil Deutschland den Art. 16 des Grundgesetzes änderte und das Asylrecht sehr stark beschränkte.

Grund dafür war auch die erschreckende Zunahme fremdenfeindlicher, rassistischer und rechtsradikaler Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte.
Frau Mair betonte weiter, dass nur ein sehr geringer Anteil der weltweit auf der Flucht befindlichen Menschen Europa erreicht. Die Mehrzahl bleibt als „Binnenflüchtlinge“ im eigenen Land oder Nachbarländern.

Im Anschluss berichtete „Ellie“ über ihre Flucht aus dem Iran und ihr Leben als Asylbewerberin. Die 26-Jährige lebt seit drei Jahren in Deutschland. Sie kann nach wie vor ihren richtigen Namen nicht nennen, Fotos, die ihr Gesicht zeigen, dürfen nicht veröffentlicht werden, weil sie immer noch Angst haben muss, hier vom iranischen Geheimdienst aufgespürt zu werden. Sie fürchtet im ihr Leben.
„Ellie“ erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in einer begüterten, streng konservativen und religiösen Familie in Teheran.

Sie ist gut ausgebildet – Abitur, Studium, sie verdient mit ihrer Arbeit als Krankenschwester gut. Auf Befehl des Vaters muss sie einen wildfremden Mann heiraten, einen hohen Staatsbeamten. Bald wird ihr verboten zu arbeiten oder weiter zu studieren. Die sozialen Kontakte mit Freunden und Bekannten werden eingeschränkt und überwacht. Ihr Leiden wird unerträglich – Vergewaltigung in der Ehe ist im Iran keine Straftat. Schließlich verlässt sie den Mann – auf „Ehebruch“ steht die Todesstrafe.

Ihr bleibt nur die Flucht, doch wohin? Ein Schleuser empfiehlt ihr „Germany“ - dort gebe es eine Bundeskanzlerin und offenbar auch Rechte für Frauen.

Mit Hilfe des Schleusers und für viel Geld, das sie erspart hat, fliegt sie mit gefälschten Papieren über Istanbul nach Hamburg. Dort bekommt sie eine Fahrkarte nach Zirndorf in die Erstaufnahmeeinrichtung und schließlich einen Platz in einer Asylbewerberunterkunft im Nürnberger Land – 15 Quadratmeter für drei, manchmal vier Frauen.

Die Menschen „auf dem Land“ halten anfangs Distanz, aber sie sind freundlich. Man kennt sich inzwischen. Sie verstehen aber nicht leicht, dass die Flüchtlinge nicht wegen der Sozialleistungen in Deutschland sind, dass „Ellie“ im Iran keine materiellen Sorgen hatte. Aber „was nützen dir zwei Autos, wenn du das Haus nicht verlassen darfst?“

Das Leben in Deutschland: „Ich hänge in der Luft“. Im Asylverfahren tut sich nichts. Aufenthaltstitel werden befristet verlängert – sechs Monate, sechs Wochen, drei Monate – wie es gerade kommt. Arbeiten geht so nicht. Papiere aus dem Iran – Heiratsurkunde, Zeugnisse - lassen sich nicht herbeischaffen. „Ellie“ lernt Deutsch. Sie spricht sehr konzentriert – stimmt die Grammatik, passen die Endungen? Um wenigstens einen hier anerkannten Abschluss zu bekommen, besucht sie jetzt die FOS, das Fachabitur ist ihr nächstes Ziel.

„Wie können wir dir helfen?“, fragt eine Schülerin. Erklärt den Menschen, sagt „Ellie“, das wir Flüchtlinge nicht hier sind, weil wir euch beklauen oder ausnehmen wollen.

Wir sind hier, weil wir zu Hause nicht menschenwürdig leben können.

W. Schweigert