Bericht über den Krakau-Austausch 2011

Vom 23.2.-3.3.2011 fand wieder der Austausch mit dem Gimnazjum 39 in unserer polnischen Partnerstadt Krakau statt.

 
Nach ca. 14 Stunden Zugfahrt mit einigen Komplikationen (im letzten Zug war die Türe von unserem Abteil kaputt und es wurde schnell so kalt wie es auch draußen war), kamen wir ungefähr um 21:30h am Hauptbahnhof von Krakau an. Dort wurden wir von unseren Austauschpartnern abgeholt und fuhren zu ihnen nach Hause. Nachdem wir die Familien kennengelernt hatten, fielen wir mehr oder weniger erschöpft in die Betten, um am nächsten Morgen schon in die Schule zu gehen. Dort wurden wir von der Schulleiterin begrüßt und bekamen von 2 Schülerinnen aus der 3. Klasse eine deutsche Schulführung und nach einer Pause hatten wir gemeinsam Sport und internen Deutschunterricht, wo wir verschiedene Spiele spielten, um uns etwas näher kennenzulernen. Anschließend gab es Mittagessen in der Mensa und wir fuhren zusammen ins Stadtzentrum zum Barbakan, einer renaissancezeitlichen Befestigungsanlage vor dem Florianstor. Bevor die Stadtführung losging, gingen die meisten erstmal zu einem Kontor, um das deutsche Geld in Słotty umzutauschen (1€ entspricht 4 Słotty). Bei der Stadtführung besuchten wir den Marktplatz von Krakau, wo die Tuchhalle (das älteste „Einkaufszentrum“ Krakaus) und die Marienkirche stehen. Die Geschichte der Kirche ist sehr interessant: Seit dem 14. Jahrhundert läutet ein Feuerwehrmann zu jeder vollen Stunde die Stundenglocke von Hand und spielt das Krakauer Trompetensignal „Hejnał“ in alle vier Himmelsrichtungen. Es bricht mitten im Spiel ab und soll damit an den Mongolenangriff 1241 erinnern, bei dem der damalige Trompeter während des Blasens des Alarmsignals von einem Tartarenpfeil getötet worden sei – so die Legende. Nachdem wir am Marktplatz waren, folgten wir dem Königsweg bis hin zum Wawelhügel, wo das Krakauer Königsschloss nebst Kathedrale stehen. Diese Kathedrale ist die Bischofskirche des Erzbistums Krakau. Als wir alle schrecklich durchgefroren waren, liefen wir in die Galeria Krakowska, wo wir erstmal etwas aßen und uns aufwärmten, um anschließend nach Hause zu fahren. Am nächsten Tag ging unsere Stadtführung weiter: Wir besichtigten Kazimierz, das Judenviertel von Krakau. Auf dieser Führung besuchten wir auch die Alte Synagoge, die älteste bestehende Synagoge von Kazimierz. Außerdem sahen wir einige Drehplätze des Films „Schindlers Liste“, einem Film über die Nazi-Zeit. Nicht alle hatten aus dem Tag zuvor gelernt und sich wärmer angezogen, doch es waren noch immer ungefähr -10°C, durch den Wind war es noch kälter. Daher kamen wir, wieder halb erfroren, in der Galeria Kazimierz an, wo wir Pizza essen gingen und anschließend noch durch die, für uns zum Teil aus Deutschland bekannten Läden schlenderten. Am Sonntag hatten wir freie Verfügung in unseren Gastfamilien. Während einige sich mit den anderen vom Austausch trafen, besichtigten manche mit ihren  Austauschpartnern noch andere Teile von Krakau oder besuchten den Aqua-Park. Der nächste Tag sollte ein trauriger Tag werden. Wir fuhren nach Auschwitz-Birkenau und besichtigten das Konzentrationslager, wo wir schon auf der Busfahrt von Herrn Jung kurz über die Geschichte aufgeklärt wurden, doch so richtig schlimm wurde es erst vor Ort. Man konnte die Koffer der Häftlinge sehen, verschiedene Haarbürsten, Schuhe in allen Größen, sogar Babykleidung. Außerdem erfuhren wir, wie die Leute dort und auch deren Verwandte getäuscht wurden. Bevor wir nach Birkenau, das Außenlager fuhren, gingen wir noch zur „Todeswand“, an der verurteilte Häflinge hingerichtet worden waren, wo wir Blumen niederlegten und, um unseren Respekt vor den dort gestorbenen Menschen zu zeigen, eine Schweigeminute abhielten. Die restlichen Tage wurden jedoch um einiges heiterer als der Montag. Wir trafen uns an der Schule und stiegen erneut in den Bus ein, das Tatra-Gebirge, genauer gesagt eine Pension in Poronin als Ziel. Bevor wir jedoch dort ankamen, besuchten wir das Niedzica-Schloss und den Staudamm in Czorsztyn. Als wir dann endlich in der Pension waren, wurden die Zimmer verteilt, es gab Mittagessen und anschließend machten wir Plakate für unseren Besuch in München, die wir in Krakau in der Schule aufhängten. Als die Plakate mehr oder weniger fertig waren, spielten wir mit unseren Austauschpartnern und einem anderen Paar Memory mit deutschen Begriffen, wo die Gewinner anschließend noch ein Finale austrugen (das war übrigens am Ende unentschieden). Projektarbeiten machen Hunger – darum gab es anschließend ein Lagerfeuer mit Würstchen, Kartoffeln und Brot. Nach einer Disco am Abend, wo außer den Lehrern fast niemand tanzte, folgten eine recht gute Nacht und ein gutes Frühstück. Anschließend fuhren wir wieder mal mit dem Bus, diesmal nach Zakopane, dem beliebtesten Wintersportort Krakaus. Während die anderen mit dem Skilift nach oben auf einen Berg fuhren, um dort ein wenig spazieren zu gehen und anschließend mit der Zahnradbahn wieder runterzufahren, schauten wir uns die Stände an. Wir konnten nämlich leider nicht mit, weil Barbara sich am Abend beim Lagerfeuer am Fuß verletzt hatte und deswegen nur humpeln konnte. Als die anderen wieder da waren, besuchten wir die Tatra-Thermen, wo es bei 36°C Wassertemperatur auch draußen sehr angenehm warm war. Wer nicht mitkommen wollte, konnte mit Frau Kapfhammer und Herrn Jung zusammen einen Spaziergang machen. Zu Mittag aßen wir wieder in der Pension und dann ging es wieder zurück nach Krakau ins Gimnazjum 39, wo wir verabschiedet wurden. Da wir noch etwas länger bei der Busfahrt brauchten, entfiel die Vorführung der Fotos, damit wir rechtzeitig aufhören konnten. Während manche noch mit den anderen zusammen den Austausch ausklingen ließen, fuhren oder gingen die restlichen nach Hause, wo sie noch ein Abschiedsgeschenk von den Eltern bekamen und Koffer packen mussten. Am letzten Morgen trafen wir uns um 7 Uhr am Bahnhof, 15 ½ Stunden Zugfahrt vor uns. Wir finden, dass dieser Austausch eine gute Möglichkeit ist bzw. war, um ein anderes Land, eine andere Sprache und andere Sitten kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Außerdem konnte man vielleicht auch die eine oder andere länger bestehende Freundschaft aufbauen!

Barbara Otto und Natalie Waleska, 8a