Erfahrungsbericht über den achtzehnten Gegenbesuch

Schüleraustausch der Peter-Vischer-Schule Nürnberg mit der Partnerschule Collège Maurice Genevoix in Couzeix

Erfahrungsbericht über den 18. Gegenbesuch einer Gruppe aus Couzeix in Nürnberg vom 16. bis 26. März 2010
 
Französische Betreuung: Madame Geneviève Geneste, Monsieur Jean Pichaud (Couzeix)
Deutsche Betreuung: Frau Helga Mehlhorn (um die wir alle sehr trauern), Frau Karen Krauße und Frau Ursula Hertel-Schönberg (Nürnberg)

Unsere Vorbereitung
Zur Begrüßung der Gäste bereiteten wir wie jedes Jahr mit den deutschen Schülern eine Broschüre vor, in der gemeinsame Bilder der Austauschpartner mit Texten über die französischen Familien abgedruckt wurden. Ohne Herrn Leuchtensterns engagierten Einsatz und die enorme Hilfe bei der Erstellung wäre dies nicht möglich gewesen. MERCI (Ein Exemplar liegt bei.)
Unsere französischen Freunde sollten bei Unterrichtsbesuchen in den Klassen ihrer Korrespondenten Einblicke in den deutschen Unterricht erhalten. Zusammen mit dem sonstigen Programm erforderte das eine genaue Abstimmung, bei der vor allem das Stundenplanteam der Schule mithalf. Eigene Unterrichtsstunden bekamen die französischen Schüler/-innen auch.

Die deutschen und französischen Schüler
Es kamen 23 Schüler - zwölf Mädchen und elf Jungen - aus Frankreich zu uns. Für elf Schüler/Innen war es schon der zweite Besuch.
Die deutschen Gastfamilien zeigten sich sehr zufrieden mit den Austauschschülern, auch wenn einige noch etwas schweigsam waren.

Die Sprache
Wie sich der Aufenthalt in Nürnberg auf die Progression der Deutschkenntnisse der Franzosen niederschlägt, kann am besten unsere französische Kollegin in ihrem Unterricht beurteilen. Die Sprachkenntnisse der französischen Gäste reichen noch nicht aus, um dem deutschen Unterricht mühelos folgen zu können. Das liegt wohl an der geringeren Wochenstundenzahl des Faches Deutsch (drei Unterrichtsstunden) in Frankreich. Sehr erfreulich war aber das generelle Interesse der Kinder - sei es in den Familien, im Unterricht, bei Erklärungen von Sehenswürdigkeiten, in den Museen oder Firmen, die wir besuchten. Ihr Benehmen war einwandfrei.

Das Programm
Dienstag, 16. März 2010
Gegen 21:10 Uhr kamen die französischen Gäste bei niedrigen Temperaturen an unserer Schule an.
Herr Pichaud, den wir seit Beginn des Austausches im Oktober 1992 kennen und der während des Studiums in Deutschland gearbeitet hatte, wurde zum achten Mal bei Frau Mehlhorn untergebracht. Frau Geneste, die verantwortliche Deutschlehrerin, übernachtete wie immer bei mir - zum dreizehnten Mal.
Mittwoch 17. März 2010
 In der ersten Stunde empfing Herr Thomas Karl, der Leiter unserer Schule, in der Aula die deutschen Korrespondenten und deren französische Partner/innen mit unseren französischen Kollegen. Es wurden noch einmal die wichtigsten Programmpunkte abgeklärt. Frau Geneste und Herr Pichaud hielten eine Stunde mit ihren Schülern in Zimmer 013.
Anschließend fuhren wir, Frau Krauße, zwei deutsche Schülerinnen und ich, mit der Gruppe nach Fürth.
Herr Braun, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Fürth, empfing uns im Rathaussaal. Er sprach über gemeinsame Veranstaltungen beider Städte. Dieses Jahr durften wir auch den Rathausturm besteigen.
Donnerstag, 18. März 2010
Gleich um 8.00 Uhr besuchte die französische Gruppe die Großbäckerei "Der Beck". Diesen Programmpunkt finden unsere Freunde aus Frankreich immer besonders lehrreich, außerdem dürfen sie versuchen, deutsche Brezeln zu formen. Der Führer in der Großbäckerei, Herr Kern, gab ihnen netterweise noch eine Provianttüte mit.
Danach nahmen die Kinder am Unterricht ihrer deutschen Korrespondenten teil.
Nach dem Mittagessen in unserer neuen Mensa fuhr die Gruppe mit Frau Mehlhorn zum Dokumentationszentrum. Diese Exkursion soll die Rolle Nürnbergs im Dritten Reich verstehen helfen. Die Schüler der "Troisième" nehmen diesen Geschichtsstoff im französischen Unterricht durch und besichtigten das Museum. Eine zweite Gruppe erkundete das Gelände außen mit den Stelen zur Geschichte des Reichsparteitagsgelände.
Freitag, 19. März 2010
Unsere Kollegin, Frau Breitfeld-Grosser, hielt am Morgen eine Geografiestunde über Mittelfranken für die französischen Schüler. Danach erfolgte die individuelle Stunde der Franzosen.
"Agnes Dürer" zeigte ihnen dann im Albrecht-Dürer-Haus alles Wissenswerte über den großen Künstler und seine häusliche Umgebung.
Natürlich durfte ein Spaziergang zum Hauptmarkt nicht fehlen, um das berühmte "Männleinlaufen" an der Frauenkirche zu bewundern.
Samstag, 20. März und Sonntag, 21. März 2010
Die Gestaltung des Wochenendprogramms stand den Gastfamilien zur freien Verfügung.
Viele Kinder trafen sich beim Sport (Bowling, Schwimmen, Eislaufen) oder machten Ausflüge mit den deutschen Familien.
Montag, 22. März 2010
Nach zwei Unterrichtsstunden fuhren unsere Gäste mit Frau Krauße nach Stein, um bei der Firma Faber-Castell  Wissenswertes über die Herstellung von Bleistiften zu erfahren.
Unsere Kollegin Frau Skiba-Erler besuchte am Nachmittag mit den Kindern den Tiergarten. Das deutsch-französische Fest am Abend stellte den Höhepunkt des Aufenthalts dar, zu dem auch die deutschen Eltern und Geschwister kamen.
Das Buffet war mit selbst gemachten Speisen wieder sehr reichlich bestückt.
Dienstag, 23. März 2010
Wir besuchten die Firma playmobil in Dietenhofen, die gute Handelsbeziehungen mit Frankreich pflegt. Die Schüler sahen die Herstellungswege verschiedener Produkte aus dem Spielwarensektor: Gussspritzmaschinen, Farbgestaltungsvorrichtungen und das Zusammenstecken von Hand bei komplexeren Artikeln.
Die Kinder picknickten danach im playmobil-Funpark, dessen Außenbereich leider noch nicht geöffnet war.
Mittwoch, 24. März 2010
In der ersten Unterrichtsstunde waren die Franzosen mit ihren deutschen Freunden in  deren jeweiligen Klassen.
 Danach besuchten sie mit Frau Krauße einige Abteilungen des Germanischen Nationalmuseums: Bauernhäuser, Puppenhäuser, Kostüme und natürlich auch den ersten Globus Martin Behaims.
Donnerstag, 25. März 2010
Wegen des diesjährigen  ADLER-Jubliäums, der ersten deutschen Eisenbahn, die es seit 175 Jahren gibt, besuchten wir das DB- Museum. Dort bestaunten die französischen Freunde alte Lokomotiven, Waggons und den Salonwagen Ludwigs II. Sie bekamen Arbeitsblätter, um die einzelnen Lokomotiven unterscheiden zu können z. B. nach ihrer Geschwindigkeitsleistung.
Unser Schulleiter, Herr Thomas Karl, verabschiedete die Freunde aus Couzeix in der Aula. Wir ließen die Schüler ihre Lieblingsprogrammpunkte aufschreiben. Einige dieser Texte werden stets im Jahresbericht abgedruckt. Zudem müssen sie ein "journal" schreiben, das von unserer französischen Deutschkollegin benotet wird.
Um das Fach Französisch zu präsentieren, stellte sich eine Austauschschülerin bei dem Elternabend zur Entscheidung über die Wahlpflichtfächer der Realschule dem Publikum auf Deutsch vor. Madame Geneste sprach über die Stadt Limoges. Ich hatte dazu eine kleine französische Szene und Unterrichtsbeiträge mit Schülern vorbereitet. So kamen die Vorteile des Austausches deutlich zur Geltung.
Freitag, 26. März 2010
Die Abfahrt unserer Austauschschüler erfolgte um 06:08 Uhr. Die französischen Schüler/innen wollten wie jedes Jahr in Deutschland bleiben. Es flossen viele Tränen.
Einige deutsche Eltern dankten uns für die reibungslose Organisation. Diesem großen Kompliment fühlen wir uns für die nächsten Jahre verpflichtet.
Aber auch die Eltern selbst halfen während des Aufenthalts tatkräftig mit - und ohne ihr großes Engagement und ihre Gastfreundschaft wäre ein Austausch nicht möglich.

Herzlichen Dank von uns an alle Eltern des diesjährigen Austausches!

Zusammenfassung
Aufgrund der zahlreichen Begegnungen der Kinder außerhalb des offiziellen Programms ist auch dieser Gegenbesuch zu einer weiteren schönen Bereicherung für alle Beteiligten geworden. Der neue Busfahrer, Monsieur Franck, war ebenfalls begeistert.
Unsere Zielsetzung, Kinder im zweiten bzw. dritten Lernjahr mit dem französischen Nachbarland, seiner Kultur und seinen Menschen bekannt zu machen sowie deren Sprache zu vertiefen, hat sich verwirklicht. Es macht uns zufrieden, dass auch im achtzehnten Austauschjahr in Folge seit 1992 wieder die französischen Kinder versicherten, noch einmal nach Deutschland kommen zu wollen.
Wir freuen uns über die erfolgreichen Austauschmaßnahmen mit dem Collège Maurice Genevoix und wissen um die Unterstützung der beiden Schulleiter. Meine Kolleginnen und ich setzen sich gerne für kommende Austauschfahrten ein.
 
Nürnberg, den 29. März 2010
 
Ursula Hertel-Schönberg
Betreuerin des Austausches
 
Fotos: Monsieur Jean Pichaud, Frau Karen Krauße , Daniel Gal, Klasse 8a.