Förderkonzepte der PVS

1. Sprachliche Hürden

Obwohl mittlerweile ein sehr großer Anteil der Schüler an weiterführenden Schulen in Deutschland geboren ist, bestehen doch durch Migrationshintergrund und Familien, in denen eine andere Sprache als Deutsch die Verkehrssprache ist, bei vielen Kin¬dern erhebliche Sprachlücken. Diese wirken sich zunächst in den Eingangsklassen elementar in allen Fächern durch Verständnisprobleme und Formulierungs¬schwächen, in höheren Klassen – oft trotz Sprachförderung in den unteren Klassen – durch zusätzliche Schwierigkeiten beim Erwerb und Anwendung der jeweiligen Fach¬sprache. Allerdings zeigen sich diese Defizite gerade in Mathematik bereits in den Eingangsklassen, hier speziell im Textverständnis bei Sach- und Textaufgaben.
Darüber hinaus treten Sprachprobleme verstärkt bei Schülern auf, die im nicht¬deutschsprachigen Raum geboren sind, besonders eklatant natürlich dann, wenn diese Kinder direkt aus dem Ausland in eine weiterführende Schule eintreten.
Während bei den Kindern der ersten Gruppe Deutsch neben der Familiensprache bereits in der Grundschule erlernt wurde und hier die Funktion einer Zweitsprache besitzt, muss bei der zweiten Gruppe Deutsch als eigene Fremdsprache erlernt werden.
Entsprechend dieser Überlegungen ist für Kinder mit Migrationshintergrund zum Einen in den beiden Eingangsjahrgangsstufen Förderunterricht in Deutsch als Zweit¬sprache einzurichten, wobei teilweise sicher die Teilnahme angeordnet werden muss, da den Eltern oft die Defizite und damit Nachteile ihrer Kinder nicht bewusst sind. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre mit Deutschförderung für Migranten zeigen, dass nahezu 20 % der Schüler eines Jahrgangs derartige sprachliche Defi¬zite aufweisen. Das bedeutet, dass bei einer Gruppenstärke von max. 10 Schülern – größere Teilnehmerzahlen lassen den Lernerfolg rapide sinken – an der Peter-Vischer-Schule in jeder Schulart 2 Fördergruppen für „Deutsch als Zweitsprache“ erforderlich sind. In den höheren Klassen, speziell in der Mittelstufe, wären minde¬stens eine – unter Umständen aus methodischen Gründen sehr kleine – Gruppe „Deutsch als Fremdsprache“ sowie je Schulart mindestens eine Fördergruppe „Gebrauch der deutschen Fachsprache“ einzurichten, die epochal von speziell weitergebildeten Lehrkräften der einschlägigen Fächer unterrichtet wird.
Alle Förderkurse sollten für das ganze Schuljahr wöchentlich zweistündig eingerichtet werden.

2. Übergang aus der Grundschule/Hauptschule

Mit der Einführung der neuen Lehrpläne und des Faches Englisch müssen auch die weiterführenden Schulen auf die veränderten Voraussetzungen reagieren, obwohl in den entsprechenden Lehrplänen von Gymnasium und Realschule keine Anpassung vorgenommen wurde. Daneben bieten gerade die neugestalteten Jahreszeugnisse eine Fülle von Informationen über den Wissens- und Leistungsstand der Schüler, die für individuelle Förderung in speziellen Förderkursen genutzt werden können, um den Übergang und damit das Erreichen des Klassenziels zu erleichtern.

2.1 Grundlagen/Voraussetzungen (Lehrplan)

Um sich einen Überblick über den Stand der Schüler am Ende der vierten Klasse Grundschule zu verschaffen, fanden in den Fachgruppen Deutsch, Mathematik und Englisch je eine Fachkonferenz mit einer Referentin aus dem Grundschulbereich statt. Hierbei wurden bewusst Lehrkräfte eingeladen, die an Grundschulen außerhalb des Einzugsbereiches der Peter-Vischer-Schule unterrichten, um die Diskussion auf der Sachebene zu halten und nicht in Gespräche über Ursachen für Abweichungen oder spezielle Schülerprobleme abzuweichen.

Diese Konferenzen führten zu folgenden Erkenntnissen:

In Deutsch wiegt der Wegfall des verbindlichen Aufsatzes besonders schwer, so fie¬len in den Eingangsklassen die deutlich schlechteren Ergebnisse in der Aufsatzlehre signifikant auf.

In Mathematik fällt zunächst das neue Verfahren zur schriftlichen Subtraktion auf, das durch die häufigen Streichungen zu einem unübersichtlichen Schriftbild und im Falle der Division zu einer nur schwer nachvollziehbaren Rechnung führt. Die Erfah¬rungen mit Schülern der Eingangsklassen aus verschiedenen Grundschulen zeigten, dass das neue Verfahren nicht an allen Grundschulen eingeübt wird. Auch scheint teilweise Stoff der weiterführenden Schulen in der 4. Klasse durch Lehrplanüber¬schneidungen vorweggenommen zu werden. Problematisch wird zudem die Art der Einübung von Aufgaben vor einer Lernzielkontrolle gesehen, wodurch der andere Stil von Leistungsmessung in den weiterführenden Schulen zu Leistungseinbrüchen und Irritationen bei den Schülern führt.
In Englisch fiel besonders auf, dass der Eindruck der Unverbindlichkeit des Unter¬richtsgeschehens und -lehrstoffes bei den Grundschülern eine zielgerichtete Arbeits¬haltung in den Eingangsklassen erschwert und somit Misserfolge begünstigt.

Auch führt hier ebenso wie in Mathematik die in verschiedenen Schulen unterschied¬liche Stoffbehandlung zu Wiederholungen und einem vermeintlichen Kenntnisstand, der sich zu Beginne der Eingangsklassen deutlich in schlechten Noten niederschlägt. Einen Überblick über das Leistungsspektrum ihrer Schüler kann sich die Englisch¬lehrkraft der weiterführenden Schulen verschaffen, indem sie die Englischmappen der Schüler aus der Grundschule einfordert.

 

2.2 Aussagekraft der Jahreszeugnisse

Mit dem Schuljahr 2006/2007 wurden an den Grundschulen neue Zeugnisvordrucke eingeführt, die neben Notenziffern auch verbale Beschreibungen der Fachkompeten¬zen sowie Würdigung der Schülerpersönlichkeit hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Sozialverhalten enthalten. Nachdem die Analyse der Grundschulzeugnisse im ersten Jahr durch die kurze Einführung im Schuljahr 2006/2007 erst spät erfolgen konnte, wurden zunächst zwei fingierte Zeugnisse von Schülern mit Eignung für Gymnasium und Realschule an die Kernfachlehrer im Juli 2006 verteilt. Im Schuljahr 2006/2007 wurden zwei Zeugnisse aus der vierten Klasse von problematischen Schülern der aktuellen 5. Jahrgangsstufe anonymisiert, danach wurden diese Grundschulzeug¬nisse von zwei Grundschullehrkräften außerhalb des Einzugsbereiches der Schule sowie von zwei Lehrkräften der Peter-Vischer-Schule, welche die Schüler kannten, anhand eines vorgegebenen Fragenkataloges analysiert.

Anschließend wurden in einer Jahrgangsstufenkonferenz zunächst die anonymisier¬ten Zeugnisse mit dem Fragenkatalog an die Fachlehrer jeder Eingangsklassen ver¬teilt mit dem Auftrag, pro Klasse einen Bogen auszufüllen. Anschließend sollte dieser Bogen mit den Analysen der vier vorher genannten Lehrkräfte und einer Beschrei¬bung der Schüler nach dem ersten Jahr in der weiterführenden Schule vergleichen werden. Zum Schluss untersuchten die Fachlehrer die Jahreszeugnisse der vierten Jahrgangsstufe für ausgewählte Schüler ihrer Klasse auf Hinweise für Auffälligkeiten und Defizite sowie Abweichungen zwischen Grundschulzeugnis und Leistungsstand in der weiterführenden Schule. Hierbei ergaben sich teilweise erfreuliche Übereinstimmungen, die Basis für eine gezielte Förderung bilden können, teilweise aber auch - schulbezogen - frappierende Abweichungen. Hier soll in nächster Zeit versucht werden, Ursachenforschung zu betreiben und mit den betroffenen Schulen in einen intensiven Dialog zu treten. Von den Lehrkräften sowohl der abgebenden wie der aufnehmenden Schulen wurde der Erfahrungsaustausch durch Hospitation positiv bewertet.

2.3 Konsequenzen für den Unterricht in den Eingangsklassen

In zwei Konferenzen mit den Lehrern der umliegenden Grundschulen wurden
im Juli die Bedeutung der Grundschulzeugnisse für die Defizitdiagnose in den weiterführenden Schulen und die Probeunterricht-Erfahrungen besprochen
sowie im November in einer Kontaktkonferenz zwischen Grundschullehrern und Fachlehrern der Eingangsklassen eine Rückmeldung an die Grundschulen über Aussagewert und Bestätigung der Grundschulerfahrungen durchgeführt.

Bei beiden Konferenzen kam es zu intensivem Austausch über die Schüler, der Wunsch nach gegenseitigen Hospitationen führte zu ersten Terminvereinbarungen. Diese Form der Zusammenarbeit soll in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Zugleich wurde deutlich, dass die weiterführenden Schulen auf die veränderten Vor¬kenntnisse durch entsprechende Gestaltung der Intensivierungsstunden im Gymna¬sium und ein verstärktes Angebot von Förderstunden in den drei Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik reagieren muss.


2.4 Methodentraining

Für einen erfolgreichen Wechsel an eine weiterführende Schule ist bereits in den Eingangsklassen eine Schulung in den Schlüsselqualifikationen und damit der Erwerb der entsprechenden Methodenkompetenzen erforderlich. An der Peter-Vischer-Schule wurde dafür ein Konzept des schulzeitlangen Methodentrainings entwickelt. Es beginnt in der fünften Jahrgangsstufe mit fünf in den Unterricht integrierten Methodentagen, in denen die Schüler lernen, ihren Arbeitsplatz richtig zu gestalten, die Arbeit zielführend einzuteilen, ihren Lerntyp zu bestimmen und danach die richtige Lernmethode einzusetzen und sich durch geplantes Lernen auf eine Lernzielkontrolle vorzubereiten. Hierzu gehören vor allem die Einheiten
1. Hausaufgaben
2. Effektiv üben (vorher Lerntypentest und Langzeitexperiment)
3. Visualisieren von Lerninhalten
4. Gruppenarbeit

In der sechsten Jahrgangsstufe wird diese Anleitung zum Lernen durch vier weitere Methodentage zu den Themen
1. Wiederholungszyklus
2. Klassenarbeiten vorbereiten
3. Markieren/Strukturieren
4. Arbeit mit Nachschlagewerken

fortgesetzt. Für dieses Konzept ist ein gegliedertes Schulwesen nach der vierten Jahrgangsstufe eine wichtige Basis, weil nur so rechtzeitig die Weichen für ein effizientes Lernen und die optimalen Arbeitstechniken gelegt werden könne, auf die in den folgenden Jahrgangsstufen bis hin zu den Anforderungen in der neuen gymnasialen Oberstufe gelegt werden können.
Weitere Meilensteine auf diesem Weg sind dann die Methodentage in der 9. und 11. Jahrgangsstufe.

Das Konzept der Peter-Vischer-Schule sieht in der neunten Jahrgangsstufe ein unterschiedliches Programm für beide Schularten vor. Während neben einem Motivationsschub zur Verringerung der Durchfallquoten in der Realschule Quellensuche, Materialbeschaffung und Präsentationstechniken auf der Tagesordnung stehen, wird im Gymnasium auf Projektmanagement und Stärkung der Sozialkompetenz Wert gelegt.

 

3. Schulartenwechsel

Die PVS bietet Hilfe und Förderung beim Wechsel der Schulart, der fast immer mit Problemen verbunden ist.

Hier berät die PVS Eltern und Kind im Hinblick auf Möglichkeiten, die dem Kind individuell entsprechen. Zudem verfügt die PVS über eine Reihe von Sonder- und stützenden Maßnahmen , um den Schulartwechsel zu begleiten.

Die Beratungslehrkräfte sind hier oft die kompetentesten Ansprechpartner, auf die möglichst frühzeitig zugegangen werden sollte, um Misserfolgserlebnisse der Kinder samt Leid und Unsicherheit über die Bildungsperspektiven  aber auch Unterforderung in der jeweiligen Schulart zu mindern.

 

allgemeine Hinweise zum Schulartwechsel nach der 5. bis 10. Klasse:

Ein Wechsel in höhere Klassen des Gymnasiums fordert  nicht nur entsprechende Noten, wenn man sich nicht einer Aufnahmeprüfung unterziehen will, sondern konfrontiert Kinder mit völlig neuen Lerninhalten, die an der Realschule oder Hauptschule nicht unterrichtet wurden. (v.a. Mathematik, 2. Fremdsprache ab der Jahrgangsstufe 6, aber in höheren Klassen auch in den naturwissenschaftlichen Fächern)

Ein Wechsel in höhere Klassen der Realschule ist regelmäßig durch unterschiedliche Lerninhalte in anderen Schularten erschwert, manchmal erfordert er auch besondere Notenvoraussetzungen. (Lehrpläne Mathematik; Aufteilung in Wahlpflichtgruppen ab der 7. Jahrgangsstufe, einschließlich verpflichtender Kommunikationstechnologie; Fächer, die so oder überhaupt an anderen Schularten nicht unterrichtet werden (Informatik, Betriebswirtschaftsrechnen, Französisch, Werken) weswegen sie nachzulernen sind)

Ein Wechsel in höhere Klassen der Hauptschule kann sowohl in die Regelklasse als auch in vielen Fällen bei Realschülern und Gymnasiasten in die M-Klassen (Mittlere-Reife-Klassen) erfolgen. Auch er sollte jedoch möglichst frühzeitig erfolgen, um sich noch auf die Besonderheiten der Hauptschule und deren Abschlussprüfungen umstellen zu können (Quali in der 9. Jahrgangsstufe; kombinierte Fächer; Arbeitslehre; Prüfung zum Mittleren Bildungsabschluss).

Übertritt aus der Realschule ans Gymnasium nach der Mittleren Reife: siehe dazu die folgenden Hinweise:.

Einführungsklasse

In der Einführungsklasse bietet die systemimmanente Förderung durch kleine Klassen mit höchstens 20 Schülern einen erster Ansatz - falls diese Höchststärke beibehalten wird. Allerdings wird diese Möglichkeit aller Wahrscheinlichkeit nach bei Schülern ohne Französischkenntnisse ebenso wenig ausreichen wie die Förderung in Mathematik bzw. Deutsch. In der neuen Konzeption wird der speziellen Problematik durch die sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse in Französisch durch zwei getrennte Stundenzahlen Rechnung getragen, allerdings wird der Schüler mit dann 36 Wochenstunden - falls er keine Französischkenntnisse aus der Realschule mitbringt - an die Grenze der Leistungsfähigkeit stoßen.
Lediglich für Schüler mit Französischkenntnissen, deren Stundentafel um vier Stunden gekürzt ist, könnte in Defizitfächern speziell aus dem Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht noch eine zusätzliche Fördermöglichkeit angeboten werden. Außerdem ist die Nachhaltigkeit eines derart massiven Sprachunterrichts nicht gesichert. So erscheint dringend ein eigener Stundenpool für die Einführungsklassenschüler zur speziellen Förderung in der gymnasialen Oberstufe erforderlich, der neben Französisch auch in Mathematik und den Naturwissenschaften ein zusätzliches Förderangebot ermöglicht.

4. Übergang nach dem Schulabschluss

Grundsätzlich bieten sich den Schülern mit dem Bestehen der Abschlussprüfung der Realschule als Mittlerer Bildungsabschluss oder dem Abitur des Gymnasiums vielfältige Möglichkeiten, die auch aus dem Berufsleben über den zweiten Bildungsweg noch zum Studium führen.

4.1 Berufsleben

Für den Übertritt ins Berufsleben erhalten die Schüler der PVS neben einer – im Gymnasium auf Wunsch erstellten – ausführlichen Bemerkung bereits im Zeugnis der 9 und 10 Jahrgangsstufe die Möglichkeit, die Bewerbungschancen durch Zertifikate zu verbessern. Das sind zum einen das Europa- und das Multimediazertifikat, die Bescheinigung eines Sozialpraktikums in Verbindung mit dem Patensystem für die Eingangsklassen, ein Zertifikat über die Mediatorentätigkeit und ein Zeugnis über die Mitwirkung im Schulsanitätsdienst. Gerade letzteres ist in Verbindung mit weiteren Bescheinigungen über Sanitätsausbildung für die Firmen in Hinblick auf die Ersthelfervorschriften interessant. Dazu kommen auch die Inhalte über das Methodentraining in der 9. Jahrgangsstufe, die auf Wunsch bescheinigt werden, Diese sind speziell in der Realschule auf den Weg nach der Schule ausgerichtet.

4.2 Fachoberschule

Der Weg in die Fachoberschule bietet sich nicht nur für Gymnasiasten an, die diesen Weg nach der zehnten Jahrgangsstufe einschlagen wollen, oder für Schüler, die die Oberstufe abbrechen müssen. Gerade für Realschüler (und auch Hauptschüler) besteht hier ein eigener Weg in zwei Jahren die Fachhochschulreife – sowie in drei Jahren die fachgebundene bzw. mit der zweiten Fremdsprache Französisch die allgemeine Hochschulreife – zu erwerben. Wichtig hierbei ist die Möglichkeit der Differenzierung entsprechend den Wahlpflichtfächern der Realschule, weshalb an PVS großer Wert auf das Angebot der vier Wahlpflichtfächergruppen – mathematisch-technischer, kaufmännischer, sprachlicher und werken-künstlerischer Zweig – gelegt wird. Gerade dieser Möglichkeit wird daher auch in den berufsvorbereitenden und –beratenden Methodentagen und Informationsabenden der 9. Jahrgangsstufe ein besonderes Augenmerk gewidmet.

4.3 Hochschulen

An der Peter-Vischer-Schule dienen vor allem die Methodentage im zweiten Halbjahr der 10. Jahrgangsstufe neben den planmäßigen Inhalten der Berufs- und Studieninformation in den P-Seminaren sowie den Informationen durch Arbeitsagentur und Hochschule mit den Studieninformationen und den Kontaktdozenten einen wichtigen Baustein. In Zusammenarbeit mit der WISO lernen die Schüler an drei Tagen bei einem themengebundenen Thema im Team Projekt- und Zeitmanagement, Rhetorik, Motivationstraining, Informationsbeschaffung und       -verarbeitung sowie Präsentationstechniken. Diese Kompetenzen sind nicht ausschließlich auf die Arbeit in der Oberstufe von Referaten bis zur Seminararbeit, sondern auch auf die Vorbereitung für ein späteres Studium ausgerichtet. Ziel ist, dass durch die rechtzeitige Vermittlung und Einübung von eigenverantwortlichen Arbeitstechniken und Teamfähigkeit der Studienerfolg erhöht und damit die Zahl der Studienwechsler oder – abbrecher verringert werden.
Diesem Ziel dient auch das Engagement von Lehrkräften der Peter-Vischer-Schule in Hochschulgremien wie dem Förderkreis Ingenieurstudium, der Jury von VisionIng21 oder Arbeitskreisen zwischen Schule und Universität, um durch zusätzliche Kontakt Veränderungen zu erkennen und rechtzeitig sogar Entwicklungen mit beeinflussen zu können.

5. Hilfen zum Erreichen des Klassenziels

Vordringliches Ziel sollte der erfolgreiche Besuch der Klassenstufe sein, hierfür bieten sich im Gymnasium die Intensivierungsstunden an. In der Realschule werden zusätzlich zur Stundentafel Förderstunden eingerichtet. Zusätzlich werden seit vier Jahren systematisch Kurse in „Deutsch als Zweitsprache“ für Schüler mit Migrationshintergrund eingerichtet.

5.1 Förderkonzept

Die Intensivierungsstunden werden an PVS grundsätzlich in den Klassenstufen 5 bis 7 im Klassenverbund mit halber Gruppenstärke durch die Fachlehrer der Sprachen sowie Mathematik gehalten, so dass alle Schüler individuell gefördert – gute Schüler auch durch Zusatzarbeiten gefordert - werden können, auch in der Mittelstufe werden neben den klassischen Zusatzübungen den guten Schülern Anreize durch anspruchsvollere Themen oder Wahlkurse geboten.
Die Förderstunden in der Realschule werden in den Jahrgangsstufen 5 und 6 durch die Fachlehrer für Deutsch, Englisch und Mathematik gehalten, in denen schwache Schüler in kleinen Lerngruppen Lerndefizite beheben können. In der Mittelstufe werden in Physik Übungen zur praktischen Umsetzung und Vertiefung in der mathematischen Wahlpflichtfächergruppe sowie in der 10 Jahrgangsstufe Förderstunden als Prüfungsvorbereitung in Betriebswirtschaft und Rechnungswesen sowie in Englisch und in Mathematik in den nichtmathematischen Zweigen angeboten.

5.2 Sonstige Maßnahmen

Nachdem die Beherrschung der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für Lernerfolge in den meisten anderen Fächern ist, hat die Peter-Vischer-Schule seit 2005 begonnen, systematisch Kurse in „Deutsch als Zweitsprache“ einzurichten, die von Lehrkräften mit einschlägiger Ausbildung an der Universität oder in Kursen des Pädagogischen Instituts der Stadt Nürnberg unterrichtet werden. Während dabei in Jahrgangsstufe  und 6 sowohl von Gymnasium wie von Realschule vorwiegend Lehrkräfte mit Fakultas Deutsch eingesetzt werden, sollen in den aufbauenden Kursen, deren Konzept unter Beteiligung der Peter-Vischer-Schule gerade erstellt wird, mit der Bezeichnung „Deutsch als Fachsprache“ auch Lehrkräfte aus den Gesellschafts- und Naturwissenschaften ausgebildet werden. Diese aufbauenden Kurse sollen dann primär für Schüler mit Migrationshintergrunde und Spätaussiedler eingerichtet werden, stehen aber bei entsprechenden freien Kapazitäten auch anderen Schülern mit Sprachdefiziten – speziell bei Textverständnis – offen. Die Kursstärke sollte sich aber zur besseren individuellen Förderung zwischen 10 und 15 Schülern bewegen.

5.3 Wiedereingliederung für KJP-Schüler

Die räumliche Nähe zum Klinikum Nürnberg-Nord mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) hat schon immer wieder dazu geführt, dass Kinder zur Gewöhnung an die schulischen Belastungen als Gastschüler an der Peter-Vischer-Schule geführt wurden. Seit 2006 hat eine Arbeitsgruppe aus Schulleitung, Schulsozialpädagogin und Leitung der KJP einen Aufnahmebogen für diese Patienten und ein strukturiertes Vorgehen erarbeitet hat. Ziel ist eine stufenweise Heranführung der Patienten an den Schulalltag. Dafür wird zunächst eine Voranfrage von Betreuungspersonal der KJP an die Schule gestellt, ob eine geeignete Klasse (kleine Klassenstärke, gute Sozialstruktur) an der Schule existiert, bei der auch ein eingespieltes Kernfach- und Klassenlehrerteam für die Betreuung eingesetzt ist. In der Regel kann nur ein Kind pro Klasse – in Extremfällen auch zwei – aufgenommen werden. Es folgt ein Vorstellungsgespräch, bei dem das Kind die Schule, die Klassenleitung und die Verwaltung kennenlernt, Verhaltensweisen und Stundenplan mit den notwendigen Modifizierungen besprochen werden und der Beginn mit Begleitung in die Klasse und die Ausstattung mit Büchern besprochen werden.
Der Klassenleiter informiert die betroffenen Kollegen und regelt die Sitzordnung und den Paten, d.h. die Schüler, die sich des Gastschülers annehmen und den Start in die Schule erleichtern und begleiten.
Am ersten Schultag wird das Kind durch Schulleitung, Klassenleiter oder Fachlehrer in die Klasse begleitet und der Klasse vorgestellt. Bei stundenweiser Anwesenheit halten Schule und KJP engen Kontakt mit rechtzeitiger Information über Erhöhung des Stundenmaßes oder auffällige Entwicklungen. In der Regel kehren die Patienten dann nach erfolgreicher Wiedereingliederung an die alte Schule zurück, es gibt aber auch Fälle, in denen es zum Umzug in eine Wohngruppe und Verbleib an der PVS kommt – oder in seltenen Fällen zum Abbruch und Rückkehr der Kinder in die KJP.


6. Ausblick

Neben diesen – im Wesentlichen systematisch auf Schulerfolg ausgerichteten - Maßnahmen der Förderung und Strukturierung der Übergänge darf aber auch der Fall des Scheiterns nicht vergessen werden. Wichtig sind hier eine qualifizierte rechtzeitige Beratung durch die Beratungskräfte – Lehrer, Schulsozialpädagogen und –psychologen – sowie Fördermaßnahmen zur Sicherung eines Schulabschlusses. In den Jahrgangsstufen 5 bis 8 muss das der rechtzeitige Wechsel an eine Hauptschule sein, in der 9 Klasse daneben auch Kurse zur Vorbereitung auf den externen qualifizierenden Hauptschulabschluss sowie die Vorbereitung auf die besondere Prüfung in der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums und generell in höheren Klassen der rechtzeitige Wechsel in eine Fachoberschule.
Aber alle diese Maßnahmen werden leider nicht verhindern können, dass es vereinzelt zum Scheitern kommt.

 

Übergänge an weiterführenden Schulen ist durch das verzweigte Schulsystem in Bayern mit den vielfältigen Möglichkeiten, direkt oder über den zweiten Bildungsweg zu einer der verschiedenen Hochschulzugangsberechtigungen zu gelangen, zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Schulentwicklung geworden. Das beginnt mit dem Übertritt aus der Grund- und Hauptschule in die fünfte Jahrgangsstufe von Realschule und Gymnasium, den Wechsel während der Schulzeit in eine andere Schulform, den Wechsel nach der Beendigung der Schulzeit in eine weiterführende Schulart und den Übertritt ins Berufsleben - ob nach Abbruch der eigentlichen Schullaufbahn oder nach Ablegen des Abschlussprüfung - sei es qualifizierender Hauptschulabschluss, mittlerer Bildungsabschluss oder Hochschulreifeprüfung. Diese Zusammenstellung soll nicht nur die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Probleme aufzeigen, sondern auch Hilfen geben und Förderansätze zu einer erfolgreichen Schullaufbahn aufzeigen.Besondere Bedeutung an der Peter-Vischer-Schule hat dabei das durchgängige Konzept der Methodentage, das auf den Überlegungen zur Erleichterung des Grund- und Hauptschulübergangs aufsetzt. Dabei werden zunächst Methoden zur Optimierung des Lern- und Arbeitsverhaltens gelehrt und wiederholend eingeübt. Ziel ist dabei, bereits in den Eingangsklassen Defizite zu vermeiden und die Quote der Schüler, die das Klassenziel nicht erreichen, zu verringern. Gleichzeitig darf aber die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund nicht vernachlässigt werden. Gerade bei Kindern, die in Deutschland geboren wurden, in deren Familien aber oft die Sprache der Vorfahren gepflegt wird, treten in immer größerem Maße sprachliche Hürden auf, die einen Schulerfolg deutlich beeinträchtigen. Hier will die Peter-Vischer-Schule mit ihren Programmen "Deutsch als Zweitsprache", "Deutsch als Fremdsprache" und "Deutsch in der Fachsprache" gegensteuern und Defizite gleich zu Beginn ausgleichen.Eine sehr hilfreiche Einrichtung sind bei der individuellen Förderung im Gymnasium die Intensivierungsstunden, die an der Peter-Vischer-Schule zur Verringerung der Gesamtbelastung grundsätzlich in den Vormittagsunterricht der Unterstufe eingeplant werden. In der Realschule wird versucht, durch eine Ausweitung der Förderstunden einen vergleichbaren Effekt zu Erzielen, wobei durch die an den Vormittagsunterricht angehängten Stunden und die Freiwilligkeit oft gerade die gefährdeten Kinder nicht erreicht werden. In der Mittelstufe des Gymnasiums werden mit zweitägigem Methodentraining in der 9. Jahrgangsstufe die Arbeitstechniken wieder aufgegriffen und mit dem Blick auf die Arbeitstechniken in der Oberstufe und die Seminarfächer vertieft. Zur Vorbereitung auf die Zeit nach dem Schulabschluss dienen in der 9. Jahrgangsstufe der Realschule das zweitägige Methodentraining, während die Methodentage zu Beginn der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums die Verbesserung der Studierfähigkeit zum Ziel haben. Daher findet diese dreitägige Veranstaltung in den Räumen der Universität statt, wobei die Schüler auch die Einrichtungen der Hochschule zu Material- und Literaturbeschaffung nutzen können.Falls aber trotz aller Förderangebote, in der Realschule beispielsweise in der 10. Jahrgangsstufe auch durch zusätzliche Förderstunden in den Abschlussprüfungsfächern, ein Kind die Schulart verlassen muss, so wird speziell in der 8. und 9. Jahrgangsstufe mit eigens eingerichteten Trainingskursen auf den externen qualifizierenden Hauptschulabschluss vorbereitet, für Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums hilft der Beratungslehrer durch gezielte Tipps bei der Vorbereitung auf die besondere Prüfung zur Erlangung eines Mittleren Bildungsabschlusses.

Gertrud Schubert