Der Ganztag der PVS im Spiegel der Nürnberger Nachrichten

Logbuch der PVS Foto: Edgar Pfrogner

Zwischenbilanz: Gebundener Ganztag an der Peter-Vischer-Schule in St. Johannis - 07.02.2017 08:00 Uhr

NÜRNBERG - Seit diesem Schuljahr gibt es an der Peter-Vischer-Schule in St. Johannis in der fünften Jahrgangsstufe vier gebundene Ganztagsklassen — zwei in der Realschule, zwei am Gymnasium.

Nach den ersten Monaten ziehen Schulleitung, Elternbeirat und Schüler eine positive Zwischenbilanz.

Dienstag, 11.30 Uhr. Die Gymnasiumsklasse 5 a hat Intensivierungsstunde. Ein Teil der Schüler übt Englisch, die zweite Hälfte brütet in einem anderen Klassenzimmer über Aufgaben zur deutschen Grammatik. Da kommt der Besuch des Stadtanzeigers wohl ganz gelegen. Wir wollen wissen: Wie haben die Fünftklässler den Schulalltag im gebundenen Ganztag bisher erlebt? Von Montag bis Donnerstag sind sie bis 16.15 Uhr an der Schule. Lernen, Essen, Freizeit und Bewegung wechseln sich ab und sind rhythmisiert in den Tagesablauf integriert. Am Freitag endet der Unterricht mittags, eine Mittagsbetreuung kann bis 14.30 Uhr gebucht werden.

Lange Mittagspause
"Ich finde den Ganztag gut", sagt der zehnjährige Tom. Er berichtet, dass er schon an der Grundschule in einer Ganztagsklasse war und ihm die Umstellung deshalb nicht schwerfiel. Emil (10) hatte diese Erfahrung nicht. "Am Anfang war es schon viel, aber ich komme gut mit den Zeiten klar", erzählt er. Die elfjährige Wiktoria hatte anfangs eher mit der Größe des Schulhauses zu kämpfen. "Es war schwierig, sich zu orientieren, das war in der Grundschule leichter. Aber die Lehrer hier sind sehr nett", lobt sie. "Manchmal ist es schon blöd, wenn man so lange in der Schule ist", verrät Josua. Zum Beispiel, wenn man dann nicht rechtzeitig zu einem Geburtstag könne oder so. Was der Zehnjährige aber, wie die meisten, toll findet, sind die lange Mittagspause und die vielen verschiedenen Mittagsaktivitäten, die möglich sind.

Zwischen 12.10 und 13.15 Uhr wird in der Schulmensa in Schichten gegessen, danach stehen bis 14 Uhr die Mittagsaktivitäten auf dem Programm. "Für zwei müssen sich die Kinder momentan fest für ein halbes Jahr entscheiden, an den anderen zwei Tagen können sie frei entscheiden", erklärt Schulleiterin Sandra Bergmann. Die Wahlmöglichkeiten sind vielfältig: Kreativkurse, Musik, Theater, Naturwissenschaften, Sport. Ein Teil des Angebots wird durch den im Haus ansässigen städtischen Kulturladen betreut, mit dem die Schule seit langem eng kooperiert.

Einige der Fünftklässler berichten auch, warum ihre Eltern sich für den Ganztag entschieden haben. "Meine Mama wollte das, weil ich hier immer jemanden habe, den ich fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe", erzählt einer. Einen direkten Draht zu den Lehrern zu haben, auch am Nachmittag, findet er selbst ebenfalls sehr hilfreich.

Hausaufgaben im herkömmlichen Sinn gibt es im gebundenen Ganztag an der Peter-Vischer-Schule nicht. Die Schüler arbeiten nach einem Wochenplan, der im Klassenzimmer hängt. Dort ist genau festgelegt, bis wann welche Aufgaben zu erledigen sind. "Dies erfolgt in den Übungsstunden, sowohl am Vor- als auch am Nachmittag", so Bergmann. Es gibt drei solcher Übungsstunden für die Kernfächer Mathe, Deutsch und Englisch, drei weitere sind offen gestaltbar. Der Mittwochnachmittag steht unter dem Motto "sozialer Nachmittag" und ist für Exkursionen, Ausflüge, Tutoren-Aktionen oder soziale Projekte wie jüngst zum Thema Cybermobbing reserviert. "Das wird von den Eltern hoch geschätzt", sagt die Schulleiterin.

Ihr Fazit nach den ersten Monaten mit vier gebundenen Ganztagsklassen fällt positiv aus. "Mein Eindruck: Die Schüler fühlen sich wohl. Es ist insgesamt lebendiger geworden im Schulhaus." Vor allem durch die offenere Gestaltung des Unterrichts finde das Lernen nicht nur hinter verschlossen Klassenzimmertüren statt. Im dritten Stock, wo die Ganztagsklassen untergebracht sind, säßen Schüler in Kleingruppen auch mal auf dem Gang zusammen, manche üben alleine für sich ein Gedicht. Deshalb freut sich Bergmann, dass sie und das Kollegium noch Änderungswünsche für den ab Sommer geplanten Neubau einbringen konnten.
Wie berichtet, wird der zweigeschossige, im Jahr 2009 fertiggestellte Erweiterungsbau der Schule heuer um vier weitere Etagen aufgestockt. "Uns war wichtig, dass es mehr offene Bereiche und unterschiedliche Räume für Intensivierungsstunden und auch Rückzugsmöglichkeiten gibt", so Bergmann. Ziel ist es, den gebundenen Ganztag auch auf die sechsten Klassen auszuweiten. Die Nachfrage und der Bedarf seien vor allem im Realschulbereich hoch.

"Was für die Eltern attraktiv ist, sind die Klassengrößen im Ganztag. Im Durchschnitt sind es aktuell 25 Kinder, 27 ist die absolute Schmerzgrenze", erklärt die Schulleiterin. Die Idealvorstellung mancher Eltern sei, "das Kind ist nach Schulschluss fertig und hat gut gelernt". Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass gerade vor Schulaufgaben auch zu Hause noch geübt werden müsse, betont die Pädagogin.

Eintragung ins "Logbuch"
Um die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern zu erleichtern, hat die Schule ein eigenes "Logbuch" kreiert und für jeden Schüler drucken lassen. Hier ist nach Wochen geordnet Platz für Aufgabenplanung, Lehrerfeedback, und gegenseitige Mitteilungen. Die Eltern müssen diese wöchentlich gegenzeichnen. Für die Kinder ist ein eigenes Feld reserviert, in das sie notieren können, worauf sie stolz sind.
"Das Logbuch ist eine super Geschichte, man bekommt als Eltern dadurch sehr viel mehr mit", sagt Iris Grant aus dem Elternbeirat. Insgesamt sei man mit den ersten Monaten Ganztagsbetrieb zufrieden. "Manches war anfangs sicher etwas holperig. Der Wechsel von der Grundschule an eine weiterführende Schule ist ja allgemein schwierig und beim Ganztag waren vielleicht ein paar mehr Absprachen nötig."

Vor allem der Wochenplan statt der bisher üblichen Hausaufgaben habe einige Eltern beschäftigt, wirkliche Beschwerden seien aber bei den Elternbeiratssitzungen nicht aufs Tapet gekommen. "Ab den Herbstferien hat es sich gut eingespielt", so Grant. Besonders lobt sie die offene Kommunikation mit der Schule; ein erster Elternabend habe bereits im Oktober stattgefunden um bei den Eltern nachzuhaken, ob und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.
Und was würden die Schüler ändern? Die Antworten gehen fast alle in die gleiche Richtung und unterscheiden sich wohl kaum von Wünschen aus den Halbtagsklassen. Tablets, Computer und Whiteboards - kurzum: eine bessere technische Ausrüstung.
Manuela Prill

Quelle:
http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/am-anfang-war-es-schon-viel-1.5799298?searched=true

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